Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

... alles zur Vanille

Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Svenson » 10. Sep 2011, 15:59

"DIE VANILLE!"

(...botanisch: Vanilla planifolia)

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Die Vanille ist eine kletternde, besser gesagt rankende Orchidee.
Ihre Triebe können eine Länge zwischen 10 bis 35 Metern und mehr erreichen.
Sie besitzt fleischige, spitzzulaufende Blätter, welche etwa 10, seltener bis 20 cm lang sind.
Die Heimat ist das tropische Mittelamerika und die westindischen Inseln, wo sie wild als Liane durch das Gebüsch wächst.

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Leider ist die Vanilla, aufgrund ihres enormen Wachstums, nicht als normale Topfpflanze zu halten, wenn dann nur im Jugendstadium.

Jedoch wer ein Orchideengewächshaus oder einen Wintergarten hat, sollte die Vanille nicht missen.
Bedenke man, dass sie die einzige kommerziell genutzte Orchidee ist und so allein schon wegen der Bedeutung sehr interessant ist.

Darüberhinaus ist sie sehr dekorativ und verleiht jedem Gewächshaus oder Wintergarten den sogenannten Dschungelflair!

Am Besten entwickelt sie sich, wenn man sie in einen großen Topf, auf Dauer besser einen Kübel, oder in ein warmes Bodenbeet pflanzt.

Als Pflanzstoff eignet sich ein Gemisch aus gleichen Teilen Torf, herkömmlichen Orchideensubstrat und Sphagnum-Moos.

Bei mir in der Gärtnerei verwende ich ein Gemisch aus einem Teil Torf, zwei Teilen Orchideensubstrat, zwei Teilen Sphagnum-Moos und ein Teil mittelgroße Pinienrinde, damit habe ich gute Erfolge erzielt.
Die Luftwurzeln, welche sich unmittelbar am Blatt entwickeln, wachsen mit der Zeit lang bis auf den Boden und wurzeln dann in das Substrat ein, dort übernehmen sie dann die selbe Funktion wie die Hauptwurzeln.
Bei guten Bedingungen kann sie bei uns einen Jahreszuwachs zwischen 1 bis 2,5 m erreichen und benötigt somit eine Kletterhilfe!

Nun kann man sich erklären, warum sie schlecht im Wohnzimmer zu halten ist.

Aus den einzelnen Blattachseln wachsen Trauben, welche sich aus bis zu 15 Einzelblüten zusammensetzen.
Diese sind grünlich-gelb und kommen nacheinander zum Erblühen.
Die länglich bis schmal eiförmigen Sepalen und Petalen sind sich gleich, das Labellum ist tütenförmig.
Blütezeit liegt von April bis August!

Wenn man sie bei uns zum Blühen bekommen möchte, muss man einige ihrer Ansprüche erfüllen.

Die Temperatur im Sommer sollte mindestens 24-28°C und im Winter 17-22°C betragen.
Sie bevorzugt einen sehr hellen Standort mit hoher Luftfeuchtigkeit und viel Frischluft, jedoch keiner Zugluft.
Sie ist ein regelrechter Nährstofffresser, was regelmäßige Düngergaben während des Wachstums verlangt.
In Bodenbeeten ausgepflanzt kann man gut Hornspäne verwenden oder auch sonstige organische Dünger.
Wichtig ist nur, nicht zuviel auf einmal, da sie es sonst mit einem Wurzelschaden dankt.

Die Vanilla planifolia ist jedoch nicht die einzige Art, es gibt rund 100 verschiedene Arten und davon sind nur wenige zur wirtschaftlichen Nutzung geignet.
Außer der V. planifolia werden z.B. noch die V. babelata, pompona und roscheri zur Kulturnutzung verwendet.
Die wichtigsten Kulturen sind heute fernab von Amerika, insbesondere im Florengebiet Madagaskas, z.B. Komoren und Maskaren Inseln.

Zur Kultur werden längere, beblätterte Sprossstücke geschnitten und an der Borke von bestimmten Bäumen, in einem aufgelockerten und lichtem Wald, befestigt.
Dort wachsen sie dann zum Teil als Epiphyten (=Aufsitzer).

Wie schon gesagt, wachsen nach einer Weile die Wurzeln in den Boden ein und versorgen die größerwerdene Pflanze mit Wasser und Nährstoffen.
Um an das Vanillearoma zu gelangen, werden noch die bekannten
Vanille-Schoten benötigt.

Das Wort Schote ist allerdings hier botanischgesehen total falsch, es handelt sich dabei nämlich um fleischige Samenkapseln.

Um aber nun an diese sogenannten Schoten zu gelangen, müssen die Blüten erst noch bestäubt werden, dies übernehmen am Naturstandort hauptsachlich Kolibries und da es an anderen Kulturstandorten keine Kolibries gibt, muss die Bestäubung hier per Hand vorgenommen werden.

Diese Arbeit ist sehr mühselig und arbeitsaufwendig, denn die einzelnen Blüten halten gerade mal einen Tag und die Bestäubung sollte bis zum Vormittag erfolgen, da die Blüte sonst oft schon nicht mehr ansetzt.

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10 bis 14 Monate später ist die Kapsel reif, jedoch noch ohne jeglichem Aroma!
Dazu muss die Frucht erst noch einer Fermentation unterlaufen um das gewünschte Aroma zu entfalten.
Die Früchte/Kapseln werden auf Säcke ausgebreitet und der Sonne ausgesetzt, bei Nacht werden sie dann eingeschlagen.

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Wärend des Trocknungsprozesses geht dann die Fermentierung von statten.
Die Frucht platzt auf und die Inhaltsstoffe kristallisieren heraus.
Gegenüber dem synthetisch hergestellten Hauptwirkstoff Vanillin, welches den wesentlichen aromatischen Bestandteil des käuflichen Vanille-Zuckers ausmacht, ist das unvergleichliche Aroma der natürlichen Vanille darauf zurückzuführen, das in der reifen fermentierten Frucht neben dem Vanillin noch über 30 weitere, mittlerweile chemisch bekannte Aromasubstanzen entstehen (Ketone,Aldehyde, Ester u.a.).
Was wir als Vanille-Mark bezeichnen, sind in Wirklichkeit die Samen.

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Der hohe Preis setzt sich nicht nur aus der arbeitsintensiven Kultur zusammen, sondern orientiert sich auch an dem synthetisch nicht herstellbaren Aroma.

Die Azteken machten schon früher aus der Vanille Liebestränke, potenzsteigernde Essenzen und Schönheitsmittel.

Heute wird sie vor allem in der Küche zur Zubereitung von Gerichten und Süßspeisen verwendet.

"Aber auch bei so manchem Liebhaber im Gewächshaus als ein besonderer, exotischer Blickfang!"


Ich hoffe, dass ich so zur Vanille einiges an Informationen mitgeben konnte und nun noch einige Bilder!!!
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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Svenson » 11. Feb 2013, 21:19

Ich hatte ja schon mal vor längerer Zeit berichtet, dass ich drei verschiedene V. planifolia (fragrans) habe.

Vanilla planifolia

Vanilla planifolia var. Variegata und

Vanilla planifolia var. Variegata mit meißem Rand

Jetzt habe ich mir noch weitere zugelegt, sobald sie wieder etwas Zuwachs haben, mache ich auch Bilder, denn habe sie extrem beschnitten zur Vermehrung. :mrgreen:

Zur Zeit wachsen jetzt hier die oberen drei und zudem

- V. pompona
- V. aphylla
- V. albida
- V. polylepis
- V. africana
- V. imperialis
- V. claviculata
- V. roscheri
- V. chamissonis
- V. crenulata
- V. barbellata

Für den Fall, dass Ihr noch irgendwo eine andere entdeckt, bitte bescheid geben.
Hier ist mein Sammelfieber ausgebrochen. :jaaa:
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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Svenson » 3. Jan 2014, 12:38

Unsere Vanilla planifolia wachsen auch im Wohnzimmer, wenn man ihnen genügend Licht und Pflatz spenden kann.

Meist nach etwa 2 Jahren, wenn die Ranken gut gewachsen sind, bekommt die Vanilla planifolia auch Blüten, diese müssen aber bis zur Mittagszeit per Hand bestäubt werden.

In 6 bis 9 Monaten reifen dann die Kapseln heran. Dies sind dann die sogenannten Vanilleschoten.
Jedoch noch ohne jegliche Aromastoffe und nur grün.
Erst nach einer Fermentation kristallisieren die Aromastoffe heraus und sie kann als Vanilleschote eingesetzt werden.
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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon hoernchen61 » 3. Jan 2014, 12:45

:danke:
war sehr hilfreich
Grüße von Birgit

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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Christian Hunold » 2. Dez 2015, 16:09

Der klägliche Rest meiner ca. 15 m langen Vanilla, die leider beim Umzug durch meinen Vater ungewollt gekürzt wurde. Habe es leider viel zu spät gemerkt :greensmilies167: aber ich konnte noch ein relativ großes Stück retten.

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Im Nächsten leben werde ich eine Passiflora ... bei mir ...
Oder doch nicht :-D


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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon roswitha » 3. Dez 2015, 21:58

Christian, ich drücke di Daumen, die wie schön wird. :knu:
Ich finde die sieht jetzt auch noch gut aus. :greensmilies165:
Liebe Grüße roswitha
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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon hoernchen61 » 3. Dez 2015, 23:06

Manche Pflanzen werden ja auch stärker wenn sie zurück geschnitten werden, vielleicht war es ja sogar für sie gut, das sie ein Stück verloren hat. Konntest du das gebrochene Stück auch retten? :greensmilies166:
So im Wasserglas Wurzeln bilden lassen oder so?
Grüße von Birgit

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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Christian Hunold » 4. Dez 2015, 09:28

Leider war das lange abgebrochene Stück nicht mehr zu retten :greensmilies167:
Im Nächsten leben werde ich eine Passiflora ... bei mir ...
Oder doch nicht :-D


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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Christian Hunold » 7. Dez 2015, 12:42

Mit was düngt man die eigentlich? Habe meine Vanille noch nie gedüngt und befürchte das sie deswegen noch nie geblüht hat...

Habt ihr Orchi-Experten da Tipps?
Im Nächsten leben werde ich eine Passiflora ... bei mir ...
Oder doch nicht :-D


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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Annette » 7. Dez 2015, 23:59

Ich dünge meine Vanille mit Orchideendünger. Sie ist wie schon in einem Beitrag von Sven beschrieben, ein echter Düngerfresser. Momentan bekommt sie keinen Dünger, erst wieder wenn die Tage länger werden. Das heißt so etwa Febr./ März. :greensmilies165:
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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Svenson » 9. Dez 2015, 11:22

Hi Christian, die sieht super aus. Lediglich Düngermangel, denn dann wäre sie auch dunkler im Laub.
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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Christian Hunold » 9. Dez 2015, 12:59

Hallo Sven,

für den Dünger bist du jetzt verantwortlich :good: ...

Viele Grüße!
... in freudiger Erwartung auf ein Paket von Dir :jaaa:
Christian
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Re: Die Vanille! (Bourbonvanille) "Kultur und Geschichte"

Beitragvon Svenson » 9. Dez 2015, 18:48

Ist Dünger dabei. :good: :greensmilies165:
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